So liest du ein Futteretikett
Auf einer Packung Hundefutter steht mehr, als man auf den ersten Blick vermutet – nur selten dort, wo man es sucht. Zusammensetzung, Analytische Bestandteile, Zusatzstoffe: Jeder dieser Blöcke folgt festen Regeln. Wenn du sie kennst, liest du aus demselben Etikett deutlich mehr heraus als vorher – und kannst dein Hundefutter-Etikett selbst einordnen.
Die Kennzeichnung von Futtermitteln regelt in der EU vor allem die Verordnung (EG) Nr. 767/2009. Vieles, was Tierhalter als selbstverständlich kennen – etwa die 4-Prozent-Regel –, steht dagegen nicht im Gesetz, sondern in einem freiwilligen Kodex der Branche. Der Unterschied ist wichtig und kommt weiter unten noch einmal vor.
Die Reihenfolge der Zutaten ist selbst schon eine Mengenangabe
Unter der Überschrift Zusammensetzung stehen die Einzelfuttermittel, aus denen das Futter besteht – in absteigender Reihenfolge nach Gewicht. Was vorne steht, ist am meisten enthalten. Das ist die nützlichste Information auf dem ganzen Etikett, denn sie gilt immer, auch ohne eine einzige Prozentzahl. Die Prozentangabe neben einer Zutat ist nämlich freiwillig, solange nicht mit der Zutat geworben wird – die Reihenfolge dagegen ist immer vorgeschrieben.
Gewogen wird, was in die Mischung geht – samt dem Wasser, das die Zutat dann noch enthält. Das hat zwei Folgen:
- Frisches Fleisch besteht zu rund 70 % aus Wasser, das beim Trockenfutter während der Herstellung größtenteils verdampft. „Frisches Hühnerfleisch“ an erster Stelle kann im fertigen Futter deshalb weniger beitragen als ein getrocknetes Fleischmehl weiter hinten.
- Zugesetztes Wasser und Brühe zählen mit. Stehen sie weit oben – bei Nassfutter keine Seltenheit –, rutschen alle anderen Zutaten nach hinten, ohne dass sich an deren Menge etwas geändert hätte.
Umgekehrt gilt genauso zuverlässig: Was weit hinten steht, ist wenig enthalten.
Offen, halboffen, geschlossen: drei Arten, dieselbe Liste zu schreiben
Bei Hunde- und Katzenfutter darf der Hersteller wählen, wie genau er die Zutaten benennt. Daraus ergeben sich drei Formen der Deklaration, die du an der Schreibweise erkennst.
Offene Deklaration – jede Zutat einzeln benannt und beziffert, oft sogar aufgeschlüsselt:
„50 % Huhn (80 % Brustfleisch, 5 % Herzen, 5 % Hälse, 5 % Karkasse, 5 % Leber), 6 % Zucchini, 5 % Süßkartoffel, 2 % Lachsöl“
Ein Detail zum Mitlesen: Die Zahlen in der Klammer beziehen sich auf den Huhn-Anteil, nicht auf das ganze Futter – sie ergeben zusammen 100 %. Die 5 % Leber sind also 5 % von 50 %, im Futter somit 2,5 %. Prozentangaben ohne Klammer meinen dagegen immer den Anteil am Gesamtfutter.
Halboffene Deklaration – die Zutaten sind benannt, aber nicht alle mit Menge:
„50 % Huhn (Herzen, Leber, Mägen), Reis, 8 % Karotten, Sonnenblumenöl“
Geschlossene Deklaration – statt der einzelnen Rohstoffe stehen Sammelbegriffe (im Futter-Check oben heißen sie „Gruppenbegriffe“):
„Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4 % Huhn), Getreide, Fisch und Fischnebenerzeugnisse, Öle und Fette“
Alle drei Formen sind zulässig. Für dich als Käufer unterscheiden sie sich trotzdem: Je offener die Deklaration, desto mehr erfährst du über das, was du kaufst. Über die Qualität der Rohstoffe sagt die Form allein nichts – ein offen deklariertes Futter ist nicht automatisch besser, es ist nachvollziehbarer.
Was hinter Sammelbegriffen steckt
„Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“, „Getreide“, „Öle und Fette“: Das sind keine Zutaten, sondern Kategorien. Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe c der Kennzeichnungsverordnung erlaubt bei Heimtierfutter, statt der einzelnen Rohstoffe nur die Kategorie zu nennen, zu der sie gehören. Der Hersteller muss das nicht – wenn er es aber tut, ist die Auswahl abschließend: Die Liste der zulässigen Kategorien stammt aus der Richtlinie 82/475/EWG, die bis heute nicht aufgehoben ist und in Deutschland als Anlage 3 der Futtermittelverordnung gilt.
Diese Kategorien sind weit gefasst. „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ umfasst alle Fleischteile geschlachteter warmblütiger Landtiere sowie alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern. „Getreide“ meint alle Getreidearten in jeder Aufmachung und dazu die Erzeugnisse aus der Verarbeitung des Mehlkörpers – also auch Mehl, Grieß oder Stärke. Innerhalb dieser Grenzen kann sich die Rezeptur ändern, ohne dass das Etikett geändert werden müsste: Was in der einen Dose Rind war, kann in der nächsten Pute sein, solange beides unter dieselbe Kategoriebeschreibung fällt. Das ist ausdrücklich erlaubt und sagt für sich genommen nichts über die Qualität eines bestimmten Futters.
Für viele Hunde spielt das keine Rolle. Wenn du dagegen eine Ausschlussdiät fütterst oder eine Unverträglichkeit eingrenzen willst, kommst du mit einer geschlossenen Deklaration nicht weiter – vom Etikett allein lässt sich dann nichts sicher ausschließen.
„Huhn“ oder „Hühnerfleisch“? Ein Wortteil Unterschied
Benennt ein Hersteller einen tierischen Rohstoff nach dem Körperteil, gibt der EU-Katalog der Einzelfuttermittel (Verordnung (EU) Nr. 68/2013) vor, was er dabei „Fleisch“ nennen darf: nur Skelettmuskulatur. Leber, Mägen und andere Innereien müssen dann beim Namen genannt werden. Den Katalog zu benutzen ist freiwillig – wer eine Bezeichnung daraus verwendet, ist an ihre Definition gebunden.
Steht nur die Tierart da, ohne „…fleisch“, ist die Angabe weiter: Unter „Huhn“ können auch Innereien, Mägen, Köpfe, Füße und Krallen fallen. Als Faustregel lässt sich das übertragen: „Hühnerfleischmehl“ verspricht Muskelfleisch, „Hühnermehl“ und „dehydriertes Hühnerprotein“ lassen offen, welche Teile verarbeitet wurden. Im Katalog stehen diese drei Bezeichnungen allerdings nicht einzeln.
Eine Feinheit, die oft untergeht: Diese enge Bedeutung von „…fleisch“ gilt für die einzeln benannte Zutat. Im Kategorienamen „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ist das Wort nicht auf Skelettmuskulatur begrenzt – dort gilt die weite Definition der Kategorienliste.
Analytische Bestandteile – und warum Trocken- und Nassfutter nicht vergleichbar sind
Der zweite Block heißt Analytische Bestandteile. Bei einem Alleinfuttermittel für Hunde und Katzen müssen dort vier Werte stehen: Rohprotein, Rohöle und -fette, Rohfaser und Rohasche. Dazu kommt der Feuchtegehalt, sobald er über 14 % liegt – bei Nassfutter also immer.
Die Werte stammen aus der Weender Analyse und sagen jeweils etwas anderes, als ihr Name vermuten lässt. Rohprotein wird aus dem Stickstoffgehalt errechnet und verrät nichts darüber, aus welcher Quelle das Eiweiß stammt. Rohasche ist der mineralische Rückstand, Rohfaser sind bestimmte pflanzliche Zellbestandteile.
Der häufigste Fehler beim Vergleichen: Die Werte beziehen sich auf das Futter, wie es in Dose oder Sack liegt – einschließlich Wasser. Trockenfutter enthält meist 7 bis 10 % Wasser, Nassfutter 75 bis 80 %. Ein Nassfutter mit 10 % Rohprotein und ein Trockenfutter mit 24 % Rohprotein lassen sich deshalb nicht nebeneinanderlegen. Vergleichbar werden sie erst in der Trockensubstanz:
- Trockensubstanz = 100 % minus Feuchtegehalt. Bei 78 % Feuchte sind das 22 %.
- Wert in der Trockensubstanz = Wert vom Etikett geteilt durch Trockensubstanz mal 100. Aus 10 % Rohprotein werden so 10 : 22 × 100 = 45,5 %.
Das Nassfutter aus dem Beispiel ist also nicht proteinarm: Das Trockenfutter kommt bei 10 % Feuchte auf rund 27 % Rohprotein in der Trockensubstanz – das Nassfutter auf 45,5 %.
Ein Vorbehalt gehört dazu: Der Prozentwert sagt noch nichts darüber, wie viel dein Hund am Tag tatsächlich bekommt. Dafür zählt die Fütterungsempfehlung, denn von Nassfutter frisst ein Hund ein Vielfaches der Trockenfuttermenge. Die Umrechnung macht zwei Futter vergleichbar – die Entscheidung trifft sie nicht.
Was im Produktnamen steckt: die Prozentstufen
Wird eine Zutat auf der Packung hervorgehoben – in Worten, Bildern oder Grafiken –, verlangt die Verordnung, dass ihre Bezeichnung und ihr Gewichtsprozentsatz in der Zusammensetzung stehen (Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a). Diese Regel kennt keine Mindestmenge: Auch 0,4 % müssen beziffert werden, wenn damit geworben wird.
Wie viel es sein sollte, sagt dagegen kein Gesetz, sondern der freiwillige Branchenkodex des europäischen Heimtiernahrungsverbands FEDIAF. Er ordnet Formulierungen Mindestmengen zu – als Selbstverpflichtung, nicht als Vorschrift.
| Formulierung | Erwartete Menge | Was das heißt |
|---|---|---|
| „X Geschmack“, „X Aroma“ | 0 % | der Geschmack kommt aus dem Aromastoff |
| „Aromatisiert mit X“, „mit Geschmack von X“ | über 0, unter 4 % | eine Spur, mehr nicht |
| „Mit X“, „enthält X“ | ab 4 % | die bekannte 4-Prozent-Regel |
| „Reich an X“, „mit Extra X“ | ab 14 % | knapp ein Siebtel |
| „X-Menü“, „X-Dinner“, „X-Mahlzeit“ | ab 26 % | gut ein Viertel |
| „X“ im Produktnamen, etwa „Adult Rind“ | ab 26 % | steht im Kodex in derselben Zeile wie das Menü |
| „Reines X“, „X pur“ | nur X | keine zweite Zutat – dazu nur Wasser für die Verarbeitung sowie Zusatz- und Mineralstoffe |
Vier Hinweise dazu:
- Die Prozente beziehen sich auf die Einwaage, nicht auf das fertige Futter. Getrocknete Zutaten dürfen dabei auf ihre frische Menge zurückgerechnet werden – aus einer kleinen Menge getrockneter Karotte wird so ein deutlich größerer Prozentsatz Karotte. Für Fleischmehle gilt das ausdrücklich nicht.
- Gemeint sind Zutaten von diesem Tier – „mit Huhn“ heißt Einzelfuttermittel vom Huhn, nicht zwingend Muskelfleisch. Nicht mitgezählt werden dabei Krallen, Federn, Hörner, Zähne, Schnäbel, Hufe, Haare, Haut und zugesetztes Fett; auf Blut und Knochen allein lässt sich die Angabe nicht stützen.
- Steht bei zwei Zutaten dasselbe Signalwort, gilt die Schwelle für beide: „mit Lamm und Reis“ steht für mindestens 4 % Lamm und mindestens 4 % Reis.
- Stehen verschiedene Signalwörter nebeneinander, zählt für jede Zutat das Wort, das bei ihr steht: „reich an Huhn mit Reis“ heißt mindestens 14 % Huhn und mindestens 4 % Reis.
Zusatzstoffe: Name oder nur Funktionsgruppe
Futtermittelzusatzstoffe sind Stoffe, die dem Futter wegen einer bestimmten Funktion zugesetzt werden. Manche wirken rein technisch, andere – Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren – liefern sehr wohl Nährstoffe. Zugelassen werden sie nach der Verordnung (EG) Nr. 1831/2003, die sie in Kategorien einteilt – im Hundefutter findest du technologische, sensorische, ernährungsphysiologische und zootechnische Zusatzstoffe.
Mit Bezeichnung und Menge genannt werden vor allem die Zusatzstoffe, für die ein Höchstgehalt festgelegt ist – etwa Vitamin A, Vitamin D3 und Spurenelemente wie Kupfer, Zink und Selen. Deshalb stehen genau diese Zeilen auf fast jedem Alleinfutter mit einer Zahl dahinter. Für Konservierungsmittel, Antioxidationsmittel, Farbstoffe und Aromastoffe reicht dagegen die Funktionsgruppe. „Antioxidationsmittel“ ohne weiteren Namen ist also eine vollständige Angabe und kein Versehen; bei Konservierungsmitteln, Antioxidationsmitteln und Farbstoffen ist dir der Name auf Anfrage mitzuteilen. Nur bei Aromastoffen muss der Hersteller ihn nicht offenlegen. Hebt ein Hersteller einen Zusatzstoff auf der Packung hervor, gehören Bezeichnung und zugesetzte Menge dazu.
Zum Schluss die Fragen, die beim Etikettenlesen immer wieder auftauchen.
Ist „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ schlechtes Futter?
Das lässt sich aus dem Begriff nicht ablesen, und genau das ist der Punkt. Die Kategorie umfasst hochwertige Fleischteile ebenso wie Nebenerzeugnisse der Schlachtung; beides steht unter derselben Bezeichnung. Der Begriff sagt dir also nichts über die Qualität – er sagt dir nur, dass du sie vom Etikett nicht erfährst. Wenn du es wissen willst, frag beim Hersteller nach – seine Anschrift steht auf der Packung.
Warum steht bei manchen Zutaten ein Prozentsatz und bei anderen nicht?
Weil die Prozentangabe grundsätzlich freiwillig ist. Pflicht wird sie erst, wenn die Zutat auf der Packung hervorgehoben wird. Deshalb siehst du oft genau bei den Zutaten eine Zahl, mit denen auch geworben wird. Aus dem Fehlen einer Zahl folgt nichts über die Menge – dafür bleibt dir die Reihenfolge.
Wie viel Fleisch ist wirklich drin?
Ohne Prozentangabe lässt sich das nicht exakt beantworten. Näherungsweise hilft dreierlei: die Position in der Zutatenliste, die Formulierung im Produktnamen samt den Stufen aus der Tabelle oben – und der Feuchtegehalt, wenn du frische mit getrockneten Zutaten vergleichst. Eine getrocknete Fleischzutat bringt pro Kilogramm mehr tierisches Material mit, weil ihr das Wasser bereits entzogen wurde.
Was bedeutet „Alleinfuttermittel“?
Ein Alleinfuttermittel ist ein Mischfuttermittel, dessen Zusammensetzung für eine tägliche Ration ausreicht. Ein Ergänzungsfuttermittel hat einen hohen Gehalt an bestimmten Stoffen und reicht gerade deshalb nur zusammen mit anderem Futter für eine Tagesration – darunter fallen Snacks ebenso wie Mineralstoffmischungen. Ein Einzelfuttermittel ist ein einzelner Rohstoff, roh, getrocknet oder sonst verarbeitet – auch ein Mineralstoff kann eines sein.
Daneben gibt es das Diätfuttermittel: Futter für einen besonderen Ernährungszweck, etwa bei Nieren- oder Leberproblemen, Diabetes oder Übergewicht. Es ist kein Medikament, sondern wirkt über seine Zusammensetzung. Auf der Packung stehen dafür zusätzliche Pflichtangaben, und die Fütterung gehört mit der Tierärztin oder dem Tierarzt abgestimmt.
Mein Hund verträgt etwas nicht – worauf achte ich?
Auf die Form der Deklaration. Ausschließen kannst du nur, was auch benannt ist: Eine offene oder halboffene Deklaration nennt die Tierarten. Eine geschlossene nennt höchstens die eine Tierart, mit der geworben wird – alles andere bleibt hinter dem Sammelbegriff. Dann hilft nur eine Nachfrage beim Hersteller. Und sprich das Vorgehen mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt ab – eine Ausschlussdiät gehört fachlich begleitet.